swissporBIKUTOP: Beste Klasse Hagelfest
swissporBIKUTOP: Beste Klasse Hagelfest
Hinter jeder Innovation stehen engagierte Menschen. Um mehr über die Anforderungen der Hagelprüfungen und die Leistungsfähigkeit unserer Abdichtungssysteme zu erfahren, haben wir mit Norbert Tholl, Leiter Entwicklung und Produktmanagement Abdichtung bei der swisspor, gesprochen.
Im Interview erläutert er die technischen Herausforderungen der Hagelprüfungen, die Gründe für das Erreichen der höchsten Hagelwiderstandsklasse RG 5 sowie die zukünftigen Anforderungen an einen nachhaltigen Gebäudeschutz angesichts zunehmend extremer Wetterereignisse.
Entdecken Sie das Interview mit Norbert Tholl
Was ist deine Rolle bei der swisspor?
Neben der Entwicklung unserer Bitumenbahnen kümmere ich mich um das Produktmanagement unserer Abdichtungsprodukte.
Was hat dich dazu veranlasst, diese Hagelwiderstandstests durchzuführen?
Als Physiker will man gerne das Leistungsvermögen der eigenen Produkte kennen. Nur wenn ich eine Leistung messen kann, weiss ich auch, ob ich eine Verbesserung erreicht habe.
Was war die grösste Schwierigkeit oder die grösste Herausforderung bei diesen Tests?
Der Schweizer Test ist deutlich schärfer als der europäische Hageltest (EN 13583), da mit richtigen Eiskugeln geschossen wird (anstatt mit Polyamidkugeln) und eine Systemprüfung, nicht nur eine Produktprüfung erfolgt. Dabei wird nicht nur die Fläche beschossen, sondern auch kritische Punkte wie die Kehle oder die Aufbordung. Er ist somit praxisnäher.
Du sprichst von den typischen Zweischicht-Strukturen von swisspor. Welche Produkte wurden genau in die Hagelwiderstandsklasse HW 5 eingestuft?
Von den Unterbahnen sind unsere Standardprodukte Bikuplan EGV, unsere ökologische Alternativen Bikuplan ECO und unsere Selbstklebevarianten Bikuplan LL Vario mit der Prüfung abgedeckt.
Bei unseren Oberbahnen selbstverständlich unsere Premiumprodukte Bikutop LL und die Bikutop Pro Aqua, aber auch unsere Standardprodukte EP5.
Kannst du erklären, worin die Hagelwiderstandsklasse HW 5 besteht?
Um die Hagelwiderstandsklasse HW5 erfolgreich zu bestehen, darf der Beschuss mit 50 mm Eiskugeln zu keinen Schäden führen … und dabei sprechen wir um eine Geschwindigkeit von 111 km/h, welche die Eiskugel annimmt. Ich würde um mein Leben fürchten, wenn ich mit einem solchen Kaliber und der Energie beschossen werde.
Wie läuft ein Hageltest konkret ab (Grösse der Hagelkörner, Geschwindigkeit, getestete Bereiche …)?
Die Grösse der Hagelkörner ist leicht aus der Hagelwiderstandsklasse heraus zu lesen: HW3 hat 30 mm Durchmesser, HW5 hat 50 mm Durchmesser. Das Gewicht ist in einem Bereich festgelegt und steigt natürlich an. Da schwerere Hagelkörner auch schneller vom Himmel fallen, steigt die festgelegte Geschwindigkeit natürlich auch entsprechend. Da die Geschwindigkeit in der Berechnung der Energie, die beim Aufschlag auf die Dachabdichtung einschlägt, quadratisch eingeht, liegt die Energie bei HW5 um den Faktor 7,7 höher als bei HW3.
Nach dem Beschuss aller kritischen Stellen wird die Dichtigkeit der Abdichtung mit einer Lupe (6-fache Vergrösserung) und einem Vakuumtest geprüft.
Die EMPA begann übrigens schon 1976 mit der Entwicklung dieses Tests.
Was unterscheidet die getesteten Zweischicht-Membranen von anderen Lösungen auf dem Markt?
HW5 ist die beste zu erzielende Klasse gemäss Prüfbestimmung des VKF. Nicht jeder schafft diesen Wert. Manche Produkte erreichen auch HW5, jedoch gilt dieses Ergebnis nur für Neuprodukte, nicht im gealterten Zustand. Bei unseren Produkten gibt es eine solche Einschränkung nicht.
Orientierend haben wir übrigens schon mal mit der 10-fachen Energie von HW5 getestet – auch diese extreme Belastung blieb beim Aufbau mit unseren Premiumprodukten schadlos.
Was bedeutet die Erlangung der Hagelwiderstandsklasse HW 5 für Architekten, Dachdecker und Bauherren?
Mit diesem Ergebnis belegen wir, dass swisspor Abdichtungen höchste Sicherheit bieten. Durch den Klimawandel und die damit verbundene Erwärmung verdunstet mehr Wasser, was irgendwann auch wieder zurück auf die Erde kommt – als Regen oder Hagel, das hängt von den klimatischen Rahmenbedingungen ab. In Zukunft werden starke Hagelereignisse häufiger vorkommen, was übrigens auch zur Anpassung der Hagelkarte in der SIA 261/1 geführt hat.
Verändert diese Zertifizierung die Art und Weise, wie Dächer geplant oder installiert werden?
Das Flachdach und das Steildach sind dem Wetter direkt ausgesetzt. Häufiger vorkommende und stärkere Winde, Regen und auch Hagelschlag trifft dieses Bauteil besonders. Gerade Flachdächer werden immer mehr genutzt: z. B. als Photovoltaikfläche, um Lüftungskanäle und Wärmetauscher zu installieren usw.
Auf der anderen Seite schützt das Dach das komplette Gebäude. Ein kleiner Schaden am Dach ist aufwendig zu beheben und kann Auswirkungen auf das komplette Gebäude haben.
Die Entwicklung der letzten Jahrzehnte hat zu immer besserer Qualität bei den Premium-Abdichtungen geführt. Es gibt also Top-Produkte, die mehr können als in den Normen gefordert wird – nur die kosten auch etwas mehr als der Standard.
Diese Investition weiss man zu schätzen, wenn man mehr Sicherheit dafür gewinnt. Man schläft dann einfach viel besser auch wenn es draussen stürmt und hagelt.
Als Initiator – was macht dich an diesem Projekt am meisten stolz?
Wir haben es geschafft selbst die heute höchsten Anforderungen deutlich übertreffen zu können und damit gewappnet zu sein für die Zukunft.
Welche nächsten Herausforderungen möchtest du in diesem Bereich angehen?
Um die Sicherheit unserer Abdichtungen weiterhin zu verbessern, haben wir einige Bereiche definiert und arbeiten schon intensiv daran. Diese können revolutionäre Verbesserungen bringen … aber wie immer, ist dies bei Entwicklungen geheim, zumindest bis wir uns sicher sind, dass wir die gröbsten Hindernisse überwinden können.
